Kollaborative „Klausur“ – Stegreifentwurf im Team

Link zu YT-Video_Aufzeichnung des Prozesses

  • Schulform: Berufsbildende Schule, Höhere Berufsfachschule
  • Lerngruppe: Gestaltungstechnische Assistent:innen FHR, Jahrgangsstufe 13
  • Fach: Gestaltungstechnik (Prüfungsfach im Fachabitur und in der Berufsabschlussprüfung der GTA)
  • Zeit: 4 Schulstunden en bloc, als „Klausur“-Ersatz bzw. „Projekt im Kleinen“ inmitten eines längerfristigen Projekts mit gleichem Kernauftrag (Kommunikationskonzept), aber anderem Kontext (Awarenesskampagne gegen Plastikmüll)
  • Autorin: Anna Reuter

Das hier vorgestellte exemplarische Lernsetting ist gemeinsam mit meinen Schülerinnen und Schülern entwickelt; es fand inmitten einer „Lernsituation“ statt (im berufsbildenden Kontext als längerfristiges, berufsbezogenes und handlungssystematisches Lernsetting zu verstehen).  Die nachfolgende Reflexion des Mini-Projekts (4 Schulstunden) ermöglichte formatives Peer-Feedback und die Zwischenevaluation des Kenntnisstandes mit Blick auf die übergeordnete, langfristige Lernsituation.

Kompetenzorientierung in der Ausbildung – Info zur Arbeitsweise im Bildungsgang:
Wir arbeiten durchgehend projektorientiert in derartigen „Lernsituationen“: Die Lerngruppe erhält zu Beginn des längerfristigen Vorhabens einen komplexen Arbeitsauftrag, oftmals von echten Auftraggebern erteilt (z. B. Signetentwicklung für die benachbarte Musikschule).

Zu Beginn des gemeinsamen, längerfristigen Lernprozesses erfassen wir zunächst z. B. mit einem Wordle, welche Kompetenzerwartungen die Schüler*innen für ihre Zukunft haben. Diese überführen wir in eine Kompetenzübersicht, mit Hilfe derer sich jede*r zunächst selbst einschätzt. Im Nachgang vereinbaren wir, welche Kompetenzen aufgrund der jeweiligen Kontextualisierung der Lernsituation besonders in den Fokus rücken sollten. Daraus ergibt sich eine Kompetenzmatrix, die erlaubt, sowohl fachliche wie überfachliche Wissensbezüge und Kompetenzen beobachtbar und damit feedbackfähig zu machen.

Das Beispiel:
Das in dieser „kollaborativen Klausur“ zu entwickelnde Gestaltungskonzept soll gemeinschaftlich erarbeitet und im Nachgang präsentiert werden. Für die Aufgabenstellung stehen 4 Schulstunden à 45 Minuten zur Verfügung, sämtliches Material und verschiedene räumliche Möglichkeiten (Klassenraum, Computerraum, Flure) stehen zur Verfügung.

Aufgabenstellung:
Die Aufgabe bestand darin, für einen Unverpacktladen gemeinsam ein Kommunikationskonzept zu entwickeln. Fachlich ist diese Aufgabe sehr komplex; mögliche Produkte könnten beispielsweise ein Corporate Design, eine Überzeugungskampagne im Sinne der Verpackungsvermeidung, eine Innenraumgestaltung des Ladenlokals o. Ä. sein. Die Schüler*innen haben sich in diesem Fall nach einer gemeinsamen Planungsphase, die etwa ein Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit einnahm, für eine arbeitsteilige Entwicklung von Innenraumkonzeption und -gestaltung, Logodesign und Entwicklung einzelner Werbemittel für den Unverpacktladen entschieden. Dafür war es erforderlich, eine gemeinsame Zielsetzung zu erarbeiten, damit die Arbeitsgruppen in ihren Entscheidungsprozessen darauf rekurrieren konnten. Die fortwährende Arbeit in Projekten, immer wieder gepaart mit Metaunterricht und Impulsen zum Projektmanagement sowie die Orientierung an agilen Settings wie Scrum und Design Thinking ermöglichte Erfahrungslernen und Kompetenzaufbau, der in dieser Klausur zur Anwendung kommen konnte.

Um Beobachtungs- und Bewertungsaspekte im Vorfeld transparent zu machen, hat die Lerngruppe mögliche Kompetenzbereiche im Vorfeld zusammengetragen; gemeinsam haben wir uns auf eine Matrix geeinigt und die Gewichtung von fachlichen und überfachlichen Beobachtungsaspekten vereinbart (Einbezug der Aspekte zur Sozial-/Personalkompetenz: 30 %). Die Lerngruppe hat sich gewünscht, dass ich den Prozess filme, um sich im Nachgang ein eigenes Bild machen zu können.

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