Drehbuch schreiben

Von M. Heusinger, Lernprozesse digital unterstützen, Ph. Wampfler,Digitaler Deutschunterricht und Bob Blume, Ideen Digitale Medien – Deutsch inspiriert  und von der Not getrieben …

Die Vorstellung des Projekts von Fabian Denhoff ermutigt 🙂

Wie es zu diesem Projekt kam?

Jedes Jahr fangen an unserer Schule junge Leute eine Ausbildung an – vollschulisch oder dual. Der Einzugskreis ist groß. Das bringt eine gewisse Heterogenität mit sich.

Im Frühjahr 2020 standen alle in den Schulen vor der Herausforderung, von jetzt auf gleich neue Wege einschlagen zu müssen und in Eigenregie die Digitalisierung bzw. Digitalität voranzutreiben.  So auch wir…

Kein Geheimnis, dass Schüler:innen unterschiedliche Erfahrungen sammeln konnten oder auch nicht.

So stieg die Heterogenität auch im Umgang mit digitalen Medien an. Anfang des Schuljahres beschloss ich für mich, im Fach Deutsch Lehrplan-Inhalte zu „opfern“ und im Unterricht die Plattformen kennen zu lernen, die unserer Schule zur Verfügung stehen. Ich hatte nämlich gemerkt (März-August), dass die Schüler ihre Endgeräte nicht „kennen“.

Bis zu den Herbstferien dauerte es, bis die Bedienung der Plattformen für die Schüler:innen selbstverständlich wurde. Ich habe leider nur zwei Stunden Unterricht pro Woche in den Klassen. Uns so „verpasste“ ich, eine Deutsch-Klausur einzutragen :-X

Da es in der Klasse auch SuS gab, die vom Präsenzunterricht befreit waren, war es mir wichtig, auch ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren Beitrag zu leisten.

Also überlegte ich mir eine alternative Leistung.

Was war die Idee?

Die Schüler:innen sollten Drehbücher für Erklärvideos schreiben. Die Erklärvideos sollten von SuS für SuS sein. Das Thema war Funktionen der Lernplattformen der Schule, etwa:

  • Wie logge ich mich ein?
  • Wo finde ich die Unterrichtsinhalte?
  • Wie und wo finde ich die Dateienablagen der einzelnen Fächer?
  • Wie kann ich die erledigten Aufgaben abgeben?
  • und einige mehr

Meine Vision war eine fächerübergreifende Leistung. Das ist leider nur eine Vision geblieben.

Mit welcher Klasse wurde das Projekt umgesetzt?

Schulform: Zweijährige Höhere Berufsfachschule

Ausbildung: Medientechnische Assistenten

Ausbildungsjahr. 1

Welche Werkzeuge, Tools, Apps etc. waren nötig?

Internet, PC oder iPad, OneNote, VideoSchnitt Programme (falls das Video gedreht wird).

Vorbereitung

Da die SuS zu diesem Zeitpunkt noch keinen Microsoft-Account hatten, richtete ich ein Klassennotizbuch ein und teilte dieses den Schülern via Link.

Im Notizbuch hatte ich vier Bereiche vorbereitet.

1. Input von der Lehrkraft

2. Planung bzw. Brainstorming

3. Dokumentation

4. Drehbuch

Im ersten Bereich hatte ich Informationen aus verschiedenen Quellen für die SuS vorbereitet. Außerdem durften sich die SuS  in Gruppen finden, sich für einen Gruppennamen und für ein Thema entscheiden und alles das in die vorbereitete Übersicht eintragen.

Der zweite Bereich stand für Ideensammlung (z.B. MindMap) zur Verfügung.

Die einzelnen Schritte, was läuft, was nicht läuft… Für all dies stand der dritte Bereich zur Verfügung.

Das Produkt sollte im vierten Bereich abgelegt werden.

So ist es gelaufen

1.+2. Stunde

In der ersten Stunde erklärte ich den SuS ausführlich mein Vorhaben. Es war für sie etwas merkwürdig, keine Klausur schreiben zu müssen 🙂

Ich räumte ihnen Zeit ein, in der sie OneNote „kennen lernen“ konnten. Ich konnte von Gruppe zu Gruppe gehen und die Fragen beantworten.

Gemeinsam mit den Schülern stellte ich Regeln für das collaborative Arbeiten fest.

Die erste Aufgabe für zu Hause: Die SuS mussten sich die Informationen durchlesen  bzw. anschauen und jede Gruppe sollte bis zur nächsten Stunde eine Liste mit Merkmalen eines Drehbuchs erstellen.

3.+4. Stunde

Wir starteten mit einem Austausch darüber, ob die SuS zu Hause mit OneNote klar kamen. Wir klärten entstandene Fragen, die Gruppen stellten die Listen (s.o. Hausaufgabe)  vor und eine gemeinsame Liste (Merkmal-Katalog) wurde erstellt. An diesen konnten sich die SuS später halten.

Die Gruppen fingen an, die Funktionen der Plattformen näher unter die Lupe zu nehmen. Sie erstellten die MindMaps. Ich konnte auch hier zu jeder Gruppe hin, mir die Überlegungen anhören, kurz mal eine Funktion erläutern.

Nach der Unterrichtseinheit war keine Hausaufgabe geplant, aber ich kriegte mit, dass sich die SuS zum Treffen verabredeten, um weiter zu arbeiten.

5.+6. Stunde 

In diesen zwei Stunden fingen die Gruppen an, die Drehbücher zu schreiben. Ich konnte auch hier mit jeder Gruppe separat alles besprechen und die SuS konnten Änderungen vornehmen. Beim Schreibprozess hatten sie stets den Merkmal-Katalog vor Augen.

Von mir wurde als Vorbereitung für die nächsten Stunden ein Bewertungskatalog mit Deskriptoren erstellt

7.+8. Stunde

In diesen letzten zwei Stunden sollten die SuS ihren Drehbüchern „Feinschliff“ geben und die Drehbücher sollten ins Klassennotizbuch gespeichert werden. Der Bewertungskatalog sollte besprochen werden.

Leider kam es nicht dazu.

Genauer gesagt, es kam nicht dazu, dies im Präsenzunterricht zu machen. Diese zwei Stunden verliefen im Distanzunterricht. Die Gruppen arbeiteten in den Gruppenräumen des Konferenztools. Ich konnte auch hier von Raum zu Raum wechseln und mich mit den SuS austauschen und sie unterstützen.

In dem Allgemeinbereich stellte ich auch den Bewertungskatalog vor und besprach ihn mit den SuS. Die SuS hatten zwei Tage Zeit, sich alles nochmal durchzulesen, bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen und danach abzugeben.

Bewertung

Es war geplant, dass die Produkte gemeinsam mit den SuS bewertet werden. Das konnte ich mir im Rahmen einer Videokonferenz nicht vorstellen. Außerdem stand auch „Datenschutz und Noten per Video“ im Raum. Aus diesen Gründen wurden die Produkte nur von mir bewertet. Die Gruppen bekamen per Mail (DSVGO konform) ausführliche Rückmeldung.

Im Präsenzunterricht können/sollen die SuS in die Bewertung miteinbezogen werden.

Wie wurde die Bewertung einzelner Schüler gemacht? Gar nicht. Es gab eine Gruppen-Note. Das war den SuS von Anfang an bekannt und sie trieben sich gegenseitig an. Die SuS hatten sich die Aufgaben nach Stärken aufgeteilt 🙂 und jeder einzelne in der Gruppe war „Experte“ in seinem Teil. Hier zählte: Wir lösen gemeinsam eine Aufgabe.

Fazit

Durch das offene und Schüler:innen orientierte Vorgehen haben alle mitgearbeitet. Niemand musste motiviert werden.

Das tollste war, dass die SuS, die zu Hause waren, auch mitarbeiten konnten, und zwar synchron.

Aus der Not entstehen manchmal ganz tolle Ideen…

Wie geht es weiter?

Die SuS haben mich gefragt, ob sie auch die Videos als neues Projekt drehen können/dürfen und das dann wieder im Deutsch-Unterricht.

Was soll ich nur tun?

PS: Ich bin für konstruktive Kritik immer sehr dankbar.

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