Gleichungen Lösen mit Tabellen und Graphen | Alternative Prüfung mit synchronem und asynchronem Teil (Jgst. 7)

1 – Das Unterrichtsvorhaben

Das Unterrichtsvorhaben zielt auf die Beschäftigung der SuS mit dem Thema (lineare) Gleichungen ab. Um das Gleichungskonzept von vorne herein breiter anzulegen und nicht mit algebraischen Kalkülen zu vermischen, habe ich zunächst einige Zeit auf das Lösen von Gleichungen durch systematisches Ausprobieren und mit Tabellen und Graphen verwendet. Diese Strategien sind universell einsetzbar und propädeutisch für die Behandlung linearer Funktionen in der Jgst. 8. Ganz nach dem Motto:

„Wenn Du wenig Zeit hast, dann nimm Dir am Anfang viel davon.“
(Ruth C. Cohn)

Hinter diesem Zugang verbirgt sich unter anderem das Ziel, auch den SuS, die mit dem formal algebraischen Arbeiten zunächst Schwierigkeiten haben werden, einen Zugang zu Gleichungen, deren Lösungen, Mathematisierungen von Kontexten und Plausibilitätsüberlegungen zu ermöglichen. Die im zweiten Schritt eingeführten Äquivalenzumformungen stellen in diesem Unterrichtsgang dann einen echten Mehrwert dar, der das Lösen von Gleichungen vereinfacht. An dieser Stelle kann dann die Algebra in angemessener Weise als performante Kulturtechnik gewürdigt werden. Dabei profitiert man davon, dass das Kennenlernen von Gleichungen nicht mit dem Erlernen des Lösungsverfahrens vermischt wird.

2 – Prüfung Teil 1: Synchron mit GeoGebra-Classroom

Im Distanzunterricht haben die SuS bereits mehrfach in Lernumgebungen gearbeitet, die ich über GeoGebra-Classroom (https://www.geogebra.org/m/vexj65n9) bereitgestellt habe. Auf Vorschlag und Wunsch der Klasse habe ich das Tool auch zur Gestaltung eines 15-minütigen synchronen Prüfungsteils zu Grundaufgaben zum Unterrichtsvorhaben genutzt: https://www.geogebra.org/m/mvx2kjcp

Ich konnte die Bearbeitung live verfolgen:

Die GeoGebra-Classroom Übersicht
Pseudonymisierte Bearbeitungen einiger SuS.

Für die SuS stellte dieser kurze synchrone Einstieg mit einem bekannten Tool einen strukturierten Vorspann für den kreativen asynchronen Teil der Prüfung dar.

3 – Prüfung Teil 2: Ein Teilthema für eine neue Mitschülerin erklären

Im zweiten Teil bekamen die SuS den Auftrag, innerhalb von 24 Stunden einen von zwei Teilbereichen des aktuellen Themas (entweder die Strategie „Tabelle“ oder die Strategie „Graph“ für eine fiktive neue Mitschülerin (Hannah) in einer selbst gewählten Präsentationsart aufzubereiten. Dabei durften explizit alle Materialien aus dem Unterricht benutzt werden. Entstanden ist ein bunter und beeindruckender Mix aus von den SuS selbstständig erstellten Lernvideos, Powerpoint-Präsentationen (teilweise mit Audiokommentar), Mathe-Briefen und Plakaten.

(Sobald ich die Einverständnis der SuS habe, werde ich hier noch einige Beispiele ergänzen.)

4 – Leistungsbewertung

Die Arbeitsprodukte des zweiten Prüfungsteils habe ich bezogen auf fachliche Korrektheit und fachliche Tiefe/Vollständigkeit bewertet. Auf die so ermittelte Note wurde ein Darstellungsmodifikator addiert, der einen Unterschied von +/- einer ganzen Note ausmachen konnte. Dieser beinhaltet neben der Beurteilung der Darstellung im eigentlichen Sinn (Sprache, Struktur, Übersichtlichkeit, Ästhetik, Funktionalität, sinnvoller Einsatz des verwendeten Mediums) auch die Beurteilung des Adressatebezugs (die fiktive neue Mitschülerin Hannah). Die so ermittelte Note für den zweiten Teil wurde im Verhältnis 3:1 mit der Note aus dem ersten Teil verrechnet.

5 – Persönliches Fazit

Ich bin auch nach der Durchführung mit dem Prüfungsformat sehr zufrieden. Der synchrone Teil schafft Sicherheit und Selbstbewusstsein. Der Kontext der fiktiven neuen Mitschülerin funktionierte in der Jahrgangsstufe 7 in teils rührender Weise. Die SuS haben sich toll auf die fiktive Situation eingelassen und die fiktive Hannah herzlich in die Gruppe aufgenommen: „Hi Hannah, ich freue mich schon darauf, Dich bald in Präsenz persönlich kennen zu lernen. Damit der der Einstieg bei uns leichter fällt, erkläre ich Dir hier schon einmal, was wir in den letzten Wochen gemacht haben“ … „Meld Dich gerne bei weiteren Fragen!“. Aus diesem Verantwortungsgefühl heraus sind viele beeindruckende Arbeitsergebnisse entstanden. Insbesondere konnten die SuS profitieren, die in der zeitlichen Drucksituation einer normalen Klassenarbeit Schwierigkeiten haben, die in der zeitunkritischen, vertrauten und ruhigen Situation des häuslichen Arbeitsplatzes nicht auftreten. Ich werde das Format auch im Präsenzunterricht auf jeden Fall wieder einsetzen!

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